Zahngesundheit in der Schwangerschaft

Die Blogeinträge sind hier in letzter Zeit etwas eingestaubt, ich werde mich jedoch bemühen mit dem Staubwedel daran zu arbeiten und in nächster Zeit regelmäßiger neue Beiträge zu veröffentlichen. Viele Hebammen berichten über Themen, von denen ich persönlich denke, dass Hebammen über diese eigentlich keine richtige Ahnung haben. Aus diesem Grund werden in nächster Zeit häufiger Gastbeiträge auf unserer Seite erscheinen, die von Leuten geschrieben werden, die zu diesen speziellen Themen definitiv mehr Wissen haben. Heute ist es ein Gastbeitrag von der lieben Jaqueline Dohmes (@robinsparkles_). Sie ist Zahnärztin und hat einige wichtige Dinge zur Zahngesundheit in der Schwangerschaft zusammengetragen. Viel Spaß, beim Lesen! 🙂

Gesunde Zähne in der Schwangerschaft

Was der Körper in der Schwangerschaft leistet, ist ein Wunder. Durch komplexe Veränderungen in Hormonhaushalt und Stoffwechsel kann die eigene Zahngesundheit jedoch leiden. Eine weitere Belastung für Zähne und Zahnfleisch kann auch das Schwangerschaftserbrechen sein.

Oft höre ich in der Praxis von Patienten „ich habe die schlechten Zähne von meiner Mutter/ meinem Vater geerbt…“, ein Fünkchen Wahrheit steckt in diesem Satz tatsächlich, dazu aber später mehr. Karies und Parodontitis sind Infektionskrankheiten, weshalb sie bei veränderter Stoffwechsellage durchaus einen schlechteren Verlauf nehmen können. Bereits Patientinnen mit zeitnahem Kinderwunsch empfehle ich, keine „Baustellen“ im Mund mit in die Schwangerschaft zu nehmen. Im ersten und letzten Trimenon rate ich grundsätzlich von zahnärztlichen Behandlungen ab – eine Ausnahme sind natürlich Schmerzbehandlungen.

Füllungen, Wurzelbehandlungen, Zähne ziehen – das alles kann die werdende Mama und damit auch das Baby zum einen sehr stressen und zum anderen gestaltet sich die Behandlung für den Zahnarzt ebenfalls schwieriger, da er bestimmte Medikamente bei einer schwangeren Patientin nicht anwenden darf und auch keine Röntgendiagnostik möglich ist. Eine ausreichende Anästhesietiefe durch lokale Betäubung ist zudem schwierig zu erreichen, da in der Betäubung kein Adrenalin enthalten sein darf, was dafür verantwortlich ist, die Betäubung länger „vor Ort“ zu halten. Sollte doch eine zahnärztliche Behandlung notwendig werden, empfiehlt sich dafür das 2. Trimenon, da das Risiko für das ungeborene Baby in dieser Zeit am geringsten ist. Wenn möglich sollte man die Behandlung aber auf die Zeit nach der Entbindung verschieben.

Vielleicht bemerkt ihr vermehrtes Zahnfleischbluten in der Schwangerschaft. Auch dies ist der Hormonumstellung zuzuschreiben. Das Zahnfleisch wird mehr durchblutet und kann deutlich anschwellen. Das Gewebe wird aufgelockert und Zahnfleischtaschen können entstehen. Dies bedeutet, dass das Zahnfleisch nicht mehr straff am Zahn anliegt und eine „Tasche“ um den Zahn herum entsteht. Nun heißt es unbedingt Gegenmaßnahmen zu treffen! Die Entzündung in der Tiefe der Tasche kann sonst auch auf den gesamten Zahnhalteapparat übergehen und man spricht dann von einer Parodontitis, die zum Knochenabbau und somit zur Lockerung der Zähne bis zum Verlust einer oder mehrerer Zähne führen kann. Eine Parodontitis ist zudem Risikofaktor für eine Frühgeburt.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es gar nicht so einfach ist, seine Zähne in der Schwangerschaft optimal zu pflegen und zwar vor allem, wenn man bereits durch das Zähneputzen Brechreiz bekommt. Blutet es beim Zähneputzen, steigt zunächst auf eine weiche Zahnbürste um. Wenn der Brechreiz sehr schlimm ist, probiert unterschiedliche Zahnpasten aus. Vielleicht ist eine Geschmacksrichtung dabei, die einigermaßen ok ist. Fragt ob Euer Hauszahnarzt ein Prophylaxekonzept für Schwangere anbietet. Die Zähne werden dann bis zu zweimal in der Schwangerschaft schonend professionell gereinigt und das Zahnfleisch gespült. Wenn aufgrund von Erbrechen gar nichts mehr geht, sollte man den Mund zumindest mit Wasser ausspülen, da die Zähne auch durch die Magensäure stark angegriffen werden. Wichtig zu wissen ist, dass eine Mundspüllösung keine Zahnbürste ersetzt. Außerdem kann eine dauerhaft angewendete Mundspüllösung auch die gesunde Mundflora zerstören, zu Verfärbungen von Zahnfleisch und Zähnen und auch Geschmacksirritationen führen.

Nun nochmal zur Aussage, dass schlechte Zähne vererbbar sind. Kein Kind wird mit Kariesbakterien geboren. Eine Infektion geschieht (leider) durch seine Bezugspersonen, also vor allem Mama und Papa. Wie kann ich also mein Kind schützen?

Bei einer innigen Beziehung zum eigenen Kind lässt sich eine Keimübertragung meiner Meinung nach langfristig überhaupt nicht vermeiden. Worauf man aber achten kann, ist die eigene Zahngesundheit und damit eine Keimreduktion im eigenen Mund, bestmögliche häusliche Zahnpflege, gesunde Ernährung, und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen. Zusätzlich sollte man es vermeiden z.B. den Breilöffel abzulecken.

Ich wünsche Euch ein gesundes Lächeln – das Strahlen kommt in der Schwangerschaft von allein!

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