Wann ist eine Einleitung sinnvoll?

Einleitung – Ein Thema, bei dem Welten aufeinander prallen, was die Notwendigkeit betrifft!

Gerade hat mich eine junge Mama angeschrieben, als Kommentar auf einen Post von mir, ob ich nicht einmal etwas über Einleitungen schreiben kann. Die, die mich auf Instagram verfolgen, wissen, wie oft es vorkommt, dass ich wegen einer Einleitung in der Klinik zutun habe.

Am Ende der Schwangerschaft liegen die Nerven blank. Man kann nicht mehr schlafen, muss häufig zur Toilette, das Liegen auf einer Stelle ist mit der Zeit nicht mehr bequem, die Hüften und das Becken schmerzen.  Ältere Kinder fangen an zu klammern und schlafen häufiger mit im  Elternbett – Sie merken, dass der Thron zu wackeln anfängt und ein Konkurrent auf dem Weg ist 😉
Mehrgebärende haben bereits schon weit vor Termin schmerzhafte Kontraktion, die sie nicht schlafen lassen. Sie haben einen Druck nach unten und oft das Gefühl, dass die Kinder „unten“ rausfallen. Wenn man sie allerdings untersuchen würde, sitzen die Kinder meistens noch in schwindelerregender Höhe. Also nichts mit „rausfallen“ 🙂

Eins muss zu Anfang klargestellt werden: 14 Tage vor und 14 Tage nach dem errechneten Termin zu entbinden, ist normal. Klar kommt man in der Regel mit 14 Tagen vor Termin wesentlich besser klar. Auch sehr verständlich. Wer möchte schon freiwillig am laufenden Band von der Familie, sämtlichen Freunden, Bekannten, weitläufigen Bekannten, oder dem Postboten ansprechen lassen, wann es denn endlich soweit ist. Leider wird der Entbindungstermin direkt nach der Schwangerschaftsfeststellung verkündet. Das stellt sich unterm Strich als nicht ratsam heraus, weil kaum ein Kind pünktlich, am errechneten Termin zur Welt kommt. Eher später.
Das schlägt aufs Gemüt und die Schwangeren werden knatschiger,als sie am Ende eh schon sind (Parallelen zu hier lesenden Personen sind rein zufällig 😉 )

Irgendwann ist es dann soweit: Wenn die Kleinen nicht wollen, wird über eine Einleitung nachgedacht. Häufig denken die Mamas aber mehr darüber nach, als wir Hebammen 😉

Grund für eine Einleitung besteht aber erst, wenn man ca.10-12 Tage über Termin ist. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass weiterhin alles gut mit Mutter und Kind ist und die Fruchtwassermenge ausreichend ist. Normal dabei ist aber auch, dass die Fruchtwassermenge sich zum Ende hin verringert. Der Ausdruck „untere Norm“ heißt somit nicht zu wenig,sondern einfach nur beobachtungsbedürftig. Betonung liegt auf Norm-normal.Also noch kein Grund zu Sorge 🙂
Wenn allerdings kaum Fruchtwassermenge vorhanden ist, oder nur ganz wenig, sollte eingeleitet werden. Soetwas kann rein theoretisch nicht nur am Ende einer Schwangerschaft auftreten, sondern auch schon einmal weit vor Termin. Die Frauenärzte haben das im Blick, auch, wenn nicht zu jedem Termin ein Ultraschall gemacht wird. Es bahnt sich meistens schon zu einem frühen Zeitpunkt an und wird von den Frauenärzten im Blick gehalten. Lasst euch also davon nicht verrückt machen. Ein Ultraschall sollte auf jeden Fall um Termin herum gemacht werden bzw. kurz nach Überschreitung des Termins, um sich ein Bild über die Fruchtwassermenge zu verschaffen.
Wenn die Menge in Ordnung ist und auch das CTG perfekt ist, kann man bis zu 10 Tage warten. Wichtig ist bei Terminüberschreitung, dass alle 2 Tage ein CTG geschrieben wird.

Da Einleitung nicht gleich „Kind kommt sofort rausgeschossen“ heißt ( es kann gut und gern 3-5 Tage dauern), lege ich euch wärmsten ans Herz, geduldig zu sein. Je länger man wartet und nicht ungeduldig wird, umso eher geht’s meistens von alleine los. Ihr verpasst nichts- genießt die Ruhe vor dem Sturm 😉

Gründe für eine Einleitung

Grund für eine frühe Einleitung wäre z.B. ein bestehender Schwangerschaftsdiabetes. Meistens wird da an einem genauen Termin eingeleitet. Dies sollte man auch tun, da bei längerem Abwarten die Versorgung des Kindes eingeschränkt werden kann. Bei schlecht eingestellten Patienten kann man auch damit rechnen,dass man früher damit beginnt. Zu einem früheren Zeitpunkt könnte man sich auch bei einer beginnenden Schwangerschaftsvergiftung entscheiden. Weiterhin wäre ein Grund eines zu großes Kind. Ich bin da allerdings persönlich  etwas gespaltener Meinung und rate meinen Frauen, je nach Situation, gerne an, trotzdem abzuwarten und lieber der Natur freien Lauf zu lassen. Die Größe sollte hier also nicht als Maßstab gelten. Ein zu großes Kind ist eh immer relativ. Auch ein 3500g großes Kind kann mal für Frau „zu groß “ sein und ein 4500g schweres Kind andersrum ohne Probleme geboren werden. Besprecht also in Ruhe mit eurem Frauenarzt oder eurer Hebamme, was für euch „zu groß“ ist. Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen: Ärzten fehlt manchmal das Feingefühl, bestimmte Dinge etwas sanfter auszudrücken. Sie schießen gleich mit dem Gewehr auf Spatzen 😀  Sätze wie „Das ist Millimeterarbeit“ sind nicht grad aufbauend. Oft enden solche Sätze auf dem OP-Tisch, ohne es vorher vernünftig versucht zu haben. Also holt euch Rat von Arzt und Hebamme und trefft keine voreiligen Entscheidungen. Falls ihr eine Beleghebamme habt, bezieht sie mit ein. Sie kennt euch meistens am besten und begleitet euch

Was der häufigste Grund für Einleitungen ist, ist die Terminüberschreitung. Auch, wenn ihr meint, dass euer Kind „fertig ist“, sollte man wie schon gesagt, Geduld haben. Die Kinder wissen meist am aller besten, wann der Zeitpunkt richtig ist und die Geburten laufen so meistens komplikationsloser.
Ein anderer Grund wäre bspw. noch der vorzeitige Blasensprung (Fruchtwasserabgang, bevor Wehen einsetzen). Hierbei wird das Kind nicht gleich mit rausgeschwemmt , sondern es kann auch hier Tage dauern, bis das Kind geboren wird. Meistens wartet man 12 Stunden ab, um zu sehen, ob der Körper eigene Wehen entwickelt. Abgewartet wird aber nur, wenn das CTG und die Entzündungswerte im Blut in Ordnung sind. Falls Auffälligkeiten sind, leitet man meistenns direkt ein. Wenn alles gut ist, muss ein Kind nicht unbedingt innerhalb der nächsten 24 Stunden geboren werden (Passiert aber meistens) und es gibt auch keine „Trockengeburt“ (Wer hat nur dieses Wort erfunden?).

Habt also Geduld- lasst euch nicht verunsichern!
Ihr habt auch noch die Kraft, 10 Tage über Termin zu gehen 🙂
Im nächsten Eintrag, werde ich über die verschiedenen Möglichkeiten einer Einleitung schreiben.

Bis dahin alles Liebe,
Eure Kathrin

6 Kommentare

  1. Danke für diesen Bericht. Ich war sehr gespannt darauf, da ich selber eine Einleitung hatte, da mein Zwerg nach 10 Tagen nicht raus wollte. Mir ging es blenden und die Werte waren alle sehr gut. Ich wollte warten bis er sich allein auf den Weg macht, aber das ließen sie nicht zu. Schade. Es war kein Spaziergang, aber dennoch war die ganze Sache in 13 Stunden erledigt und er war endlich da 🙂 aber beim nächsten hoffe ich auf eine spontan Geburt 😀

    Sehr gut geschrieben!
    Glg

    • Ganz lieben Dank ☺ich drücke dir für die nächste Geburt die Daumen ☺
      Alles Liebe Kathrin

  2. Hallo Kathrin,
    vielen Dank für diese ehrlichen und klaren Worte. Ich bin selber nun 8Tage über Termin und da fängt Frau eben an sich Gedanken zu machen,proportional nimmt der Bauchumfang zu&die Geduld ab.
    Weiter so! Grüsse Daniela

  3. Im Krankenhaus, in dem der Arzt meinte „das Kind ist zu groß“ und deswegen eine Woche vorm VET einleiten wollte, haben die Hebammen zum Glück beschlossen, dass das Kind im Vergleich zu seinen Eltern nicht zu groß ist und vor der Einleitung Nelkenöl und alles, was sonst noch so zur Verfügung steht, um das Kind anzufragen, ob es nicht doch schon kommen möchte, ausprobiert werden könnte. Ein Hoch auf die Hebammerei!

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