Welche Möglichkeiten zur Einleitung gibt es?

Wenn man es sich aussuchen könnte, würde ich das „Alleine losgehen “ immer vorziehen, aber wer auch nicht? Gut, wenn man im Sommer bei 30 Grad im Schatten durch die Gegend „rollt“, sieht man das definitiv anders 😉 Wichtig dabei ist immer wieder die Geduld, die ganz weit vorne steht. Ihr kennt doch den Spruch „Drin geblieben ist noch keins.“ Vorbereitung für die Geburt ist das A und O, so jedenfalls meine Meinung. Darüber könnt ihr auch auf dem Blogeintrag „Abwarten und Tee trinken“ mehr lesen.

Wenn man nun aber an dem Punkt ist, gewollt oder nicht gewollt, muss man überlegen, für welche Einleitungsform man sich entscheidet.
Meistens geht’s aber nicht darum, was ihr besser findet, oder wie eure Mutter oder Freundin eingeleitet wurde, sondern eher darum, wer DU bist. Was hast DU für eine Geschichte (Anamnese) und vorallendingen, was habt ihr für einen Befund? Ein Muttermund 2 cm, ist nicht gleich ein Muttermund 2 cm. Es gibt da riesige Abweichungen und Unterschiede. Es ist aber sehr schwierig dieses hier verständlich zu erklären. Hebammen, die diesen Blogeintrag hier lesen, wissen sicherlich was ich meine. Ich sage immer „Entweder kribbelt es mir in den Fingern oder nicht“. Kribbeln bedeutet, dass der Befund gut ist und die Wahrscheinlichkeit, dass es schnell und unkompliziert läuft, groß ist. Nicht kribbeln bedeutet, dass man sich drauf einstellen sollte, dass es noch etwas dauert, aber mit etwas Geduld, genauso unkompliziert laufen wird 🙂

Ist der Muttermund reif (Es kribbelt also), wäre eine Einleitung mit einem Wehentropf möglich. Dafür muss der Befund aber auch sehr gut sein. Durch den Wehentropf (Oxytocininfusion) sollen Wehen erzeugt, oder bereits vorhandene Wehen verstärkt werden. In dieser Kombination könnte auch die Fruchtblase eröffnet werden, um das Ganze zu unterstützen. „Schlimm“ finde ich das persönlich nicht, da man den Tropf zu jedem Zeitpunkt steigern, oder auch abstellen könnte.

Fehlt das Kribbeln, würde man sich in der Regel für ein Prostaglandin E2 -Gel oder eine Prostaglandin E2 -Tabletten entscheiden. Diese Form wird vaginal in die Scheide, an oder in den Muttermund gelegt und kann je nach Form und Dosierung alle 8 h wiederholt werden.
Das heißt, dass man in der Regel morgens und am Nachmittag jeweils eine Gabe pro Tag bekommt. Diese Form der Einleitung kann durchaus mal ein unangenehmes Ziehen im Unterbauch erzeugen, ohne, dass es wirklich richtig losgeht. Das verkraftet man am Anfang meist sehr gut, weil man ja gerne möchte, dass was passiert. Nach 2-3 Tagen ohne wirklichen Erfolg, ist man sehr wahrscheinlich schon etwas genervt und die Frauen wünschen sich oft eine Einleitungspause oder auch einen Kaiserschnitt. Letzteres verschiebt bitte und haltet durch. Lasst eure Tränen fließen, aber schmeißt nicht gleich alles hin.
Die unangenehmen Unterbauchbeschwerden kann man sehr gut mit Buscopan Dragees behandeln. Man nimmt diese zum Beispiel auch bei Menstruationsbeschwerden. Dies besprecht ihr aber bitte IMMER mit eurer Hebamme oder Arzt. Himbeerblättertee, den ihr meistens schon vorher getrunken habt, kann hilfreich sein. Er wirkt genauso krampflösend und mann kann so durchaus immer mal wieder eine Tasse davon trinken. Anstrengend ist das Gefühl, ewig „rumhampeln“ zu müssen und reißt am Nervenkostüm. Wenn man sich aber drauf einstellt, dass es eben etwas dauern kann, kommt man sicher besser damit zurecht.

Eine weitere Einleitungsmöglichkeit wäre die Gabe von Misoprostol-Tabletten. Darüber muss man besonders aufgeklärt werden, da dieses Medikament in Deutschland nur zur Behandlung von Magenerkrankungen und Magenschleimhautentzündungen zugelassen ist. Nebenwirkung dieses Medikaments ist allerdings die Wehenauslösung bei Schwangeren. Studien haben gezeigt, dass die Zeit von Beginn der Geburtseinleitung bis zur Geburt durchschnittlich kürzer ist. Da es oral eingenommen werden kann, sind weniger Untersuchungen über die Scheide notwendig, was nicht nur schonender, sondern z.B. auch bei einem vorzeitigen Blasensprung dazu beiträgt, das Infektionsrisiko für das ungeborene Kind zu verringern. Das Mittel ist weltweit gut erprobt,gut verträglich und damit ein sicheres Mittel zur Geburtseinleitung. In meiner Klinik wird es schon viele Jahre verwendet. Dauern kann es damit aber auch und nicht jedes Kind fällt direkt raus 😉

Als letztes möchte ich noch auf den Wehencoktail ansprechen. Ich habe ihn früher durchaus öfters empfohlen und machen es mittlerweile viele Jahre nicht mehr. Grund war, dass es einer betreuenden Frau damit sehr schlecht ging und sie extreme Kreislaufprobleme hatte. Es ging trotzdem alles gut, aber für mich fällt es seitdem raus. Seid deshalb vorsichtig und sucht euch nicht einfach ein Rezept aus dem Netz und legt einfach damit los! Macht dies bitte IMMER erst nach Absprache mit eurer Hebamme oder eurem Arzt! Ein Rezept bekommt ihr hier also von mir nicht 😉 Was zuhause schon mal gemacht werden kann, wäre ein Einlauf. Den bekommt ihr in der Apotheke (120ml) und hat durchaus die Wirkung, dass durch das anregen der Darmtätigkeit, auch Wehen entstehen könnten.

Ich hoffe ihr seid etwas schlauer auf diesem Gebiet geworden. Habt ihr sonstige Fragen, könnt ihr mir diese gern in den Kommentaren hinterlassen! 🙂

Alles Liebe, eure Kathrin

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