Stillen

Stillen ist ein Thema, über welches man Romane schreiben könnte. Ebenso wären die Romaninhalte wahrscheinlich mehr als unterschiedlich. Hier möchte ich allein meine Meinung dazu schreiben und es ist für die gedacht, die sich hier wiederfinden. Ich glaube, dass jede Hebamme eine andere Meinung zu dem Thema haben wird, ohne, dass diese verkehrt sein muss.

An erster Stelle möchte ich dazu sagen, dass man stillen sollte, weil man es wirklich für sich und das Kind möchte. Nicht, weil es von einem erwartet wird, obwohl es einem vielleicht schon bei dem Gedanken davor graut. Natürlich kann man es auch erst einmal versuchen, um unterm Strich zu sehen, ob es wirklich so „grauenhaft“ ist, wie man es sich vorgestellt hat 😉

Ich finde, dass Stillen einem nicht zu fällt. Zumindest nicht in unseren Breitengraden. Dazu sind die Frauen hier einfach viel zu „verkopft“- die meisten jedenfalls. In Afrika bspw. sieht es anders aus: Da macht man einfach 😉 Ich weiß gar nicht, wie ich es beschreiben soll, denn selbst das „Annehmen“ des Kindes stellt sich manchmal schon als kompliziert dar, da Frau nicht aus dem Bauch heraustut, sondern nachfragt, wie genau sie es machen soll. Deshalb möchte ich euch folgendes mit auf den Weg geben: Hört auf euren Bauch. Hinterfragt nicht immer alles. Wir Hebammen geben Tipps, wie man es optimaler machen könnte, aber wir können dennoch nicht für euch stillen und sind auch nicht bei jedem Stillvorgang neben euch. Ihr schafft das auch ganz von allein 🙂

Vorbereitung der Brust aufs Stillen

Währen der Schwangerschaft bereitet sich die Brust auf das Kommende vor. Milchkanäle und milchproduzierende Drüsen bilden sich in der Brust aus, weshalb man in der Schwangerschaft meist schon 1-2 Körbchengrößen mehr hat, als man erwarten würde 😉 Wichtig zu sagen ist auch, dass die Busengröße nicht davon abhängig ist, wie gut oder schlecht man stillen kann. Denn ein kleiner Busen verfügt über genau so viel Brustdrüsengewebe wie ein großer Busen. Wer Flach- oder Schlupfwarzen hat, kann bereits im Vorfeld Brustwarzenformer oder Nipletten verwenden, welche der Brustwarze zu einer besseren Form verhelfen.

Einige Frauen haben bereits in der Schwangerschaft mit total empfindlichen Brustwarzen zu kämpfen. Zum Glück häufig nur in der ersten Zeit. Hilfreich sind dabei z.B. Wechselduschen (warm/kalt). Bei sehr trockener Haut wäre eine Creme bereits in der Schwangerschaft sinnvoll. Motherlove Brustwarzensalbe wäre dazu geeignet. Diese kann später auch beim Stillen verwendet werden und ist die beste Creme, die ich in meiner Hebammenlaufbahn kennengelernt habe.

Weniger ist also oft mehr. Vertraut darauf, dass euer Körper weiß, was wichtig für euch ist und bleibt entspannt.

Wenn es möglich ist, solltet ihr direkt nach der Geburt die ersten Stillversuche unternehmen. Doch nicht jedes Baby geht direkt wie der Mops an die Möhren ran. Manchen Babys schlägt der Stress der Geburt förmlich auf den Magen. Sie haben noch Fruchtwasser im Magen und kötzeln sich erst einmal aus. Die Meisten aber lassen sich anlegen und trinken, als hätten sie nie etwas anderes getan. Am Anfang trinken die Kinder nicht sofort regelmäßig. Sie verschlafen förmlich die erste Zeit und nehmen deshalb innerhalb der ersten 1-2 Tage ab. Das ist nicht schlimm. Die Babys sollten innerhalb der ersten zwei Lebenswochen ihr Geburtsgewicht wiedererlangen. Es bleibt also genug Zeit, es wieder drauf zu trinken 😉

Am Anfang solltet ihr nicht allzu lange anlegen. Euer Körper – besonders die Brustwarzen – sollen sich langsam daran gewöhnen. Lasst eure Hebamme bzw. die Hebammen in der Klinik gerne mal einen Blick darauf werfen, ob ihr eine optimale Stillposition habt, damit ihr nicht gleich zu Anfang entzündete Brustwarzen bekommt.

Innerhalb der ersten 2-4 Tage schießt die Milch ein. Für manche Frauen ist es kaum spürbar und für die anderen wiederum fühlt es sich an, als sprengt der Busen von jetzt auf gleich sämtliche Rahmen. Der Busen fühlt sich prall an, kann gerötet sein und auch echt wehtun. Regelmäßiges Anlegen, sowie wärmen vor und kühlen nach dem Stillen, ist in dieser Zeit notwendig. Es können schon 2-3 Tage vergehen, bis sich die Milchproduktion so einigermaßen eingependelt hat. In dieser Zeit merkt man dann auch, ob man im früheren Leben „Amme“ gewesen ist 😉 , alles ausreichend ist oder doch nicht an die Trinkmenge eures Babys kommt. Wenn das der Fall sein sollte, habe ich sehr gute Erfahrungen mit den More Milk Kapseln von Motherlove gemacht, um auf die erforderliche Menge zu kommen. Regelmäßiges Essen, ausreichend Flüssigkeit und Milchbildungstee etc. sind außerdem hilfreich. Bei zu viel Milch, wäre z.B. Salbei- oder Pfefferminztee hilfreich.

Bis sich das Stillen eingependelt hat, braucht es einige Zeit. Gebt euch gerne sechs Wochen Zeit. Übrigens müssen Kinder mit Flaschennahrung nicht besser schlafen als mit Stillen. Gerade, wenn ein Baby gut wächst, gedeiht und vielleicht alle zwei Stunden trinken möchte, wird dies mit einer Flaschennahrung genau den gleichen Rhythmus behalten.

Ein letzter Satz bei den herbstlichen Temperaturen: Ich muss euren Müttern und Schwiegermüttern Recht geben 😉 Ihr solltet euch immer schön warm einpacken und keinen „Zug“ an dem Busen bekommen. Also nicht den Müll ohne Jacke herausbringen oder den Besuch an der zügigen Haustür verabschieden. Diese kurzen Momente reichen meist schon aus, um eine Brustentzündung zu bekommen. Fazit für mich als Hebamme: Wenn das Wetter besonders ekelig ist, kommt eine Brustentzündung selten allein.

Alles Liebe, eure Kathrin

2 Kommentare

  1. Miriam loewenmama2016

    Schade dass ich diesen beitrag übers stillen erst jetzt gefunden habe! Mein sohn ist 9 monate alt und ich stille ihn noch ( er isst aber auch schon gerne brei und feste nahrung)… inzwischen ist unser stillverhältnis entspannt und ich genieße es sehr zu stillen…das war aber leider nicht von anfang an so… ich hatte eine schwangerschaftsvergiftung und mein sohn musste 5 wochen zu früh per notkaiserschnitt geholt werden… ich war mit allem total überfordert…auch mit dem stillen…leider war das stillen die ersten monate mit stress und tränen und geschrei verbunden 🙁 ich glaube es wäre besser gelaufen hätte ich davor diesen beitrag gelesen 🙁

    • Hallo Miriam…
      Ich wünsche dir, dass Finnisch einmal das Glück hast, ein kleines Wunder zu erleben Und kannst so mit viel mehr Erfahrung neu starten.Alles Gute☺
      Kathrin

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